Mein lokales Musik-Streaming Setup
Ach ja, eigentlich ist es ja schon fast eine Predigt vor dem Chor. Ich denke, fast jeder in der Blogosphäre, jeder, der sich für digitale Souveränität oder Selfhosting oder Homelabs interessiert, kennt bereits das, was nun hier folgt. Auf meiner persönlichen To-Do-Liste stand dieser Text schon länger. Und da ich nun wieder einen aktuellen Anlass habe, schreibe ich allem zum Trotz dennoch mal darüber: Mein persönliches lokales Audiostreaming!
Die Basis: Navidrome. Navidrome ist ein leichtgewichtiger Musik-Streaming-Server, der prinzipiell auch auf einem Raspberry Pi läuft und den meisten wohl bekannt ist. Wer es nicht kennt: Das Ding packt sich schlicht alle MP3 Dateien aus einem Ordner und stellt sie über eine Weboberfläche oder diverse APIs für Client-Anwendungen zur Verfügung. Quasi wie Spotify, nur eben lokal.
Bei mir läuft Navidrome nicht auf einem kleinen Ein-Platinen-Rechner, sondern in einem Docker-Container auf meinem Homelab. Zugriff auf den Docker-Container erledigt Traefik, und von außen habe ich eine offizielle Domain auf meinem VPS mit Weiterleitung über Wireguard in mein Heimnetzwerk. So kann ich auch von unterwegs auf meine persönliche Musiksammlung zugreifen.
Kleiner Exkurs: Navidrome implementiert die Subsonic API, über die sich Clients mit dem Server verbinden können. Seit kurzem implementiert auch Bandcamp diese API, also kann man mit jeder App, die Navidrome als Server verwendet, auch die eigene Bandcamp-Sammlung einbinden und abrufen. Wie geil ist das denn?
Apps: Auf dem Desktop probiere ich gerade Psysonic, werde aber sicherlich auch noch mal in das Rabbit Hole der TUI Clients abtauchen, denn Command Line rockt und spart Ressourcen! Auf dem Android Smartphone läuft aktuell Substreamer. Doch leider kann ich die Musik damit nur auf meinem Telefon abspielen (und freilich per Bluetooth angebundene Kopfhörer oder Lautsprecher), ein weitergeben an Netzwerklautsprecher ist leider nicht drin. Vielleicht investiere ich mal zweifuffzisch in Symfonium, dort kann man auch auf Chromecast, Spoticast oder schlicht DLNA-fähige Lautsprecher streamen.
Meine Sammlung ist sehr heterogen. Und sie war noch viel chaotischer. Wie wohl bei den meisten. Meine Musik stammt aus unterschiedlichen Quellen, von Bandcamp-Käufen über selbstgerippte CDs hin zu offiziellen Promo-CDs von Agenturen aus meiner Zeit mit Musikmagazinen. Gerade diese offiziellen MP3-Dateien haben oftmals bescheidene Metadaten. Dazu dann ein Wildwuchs aus Ordnerstrukturen und -benennungen. An dieser Stelle war und ist Beets mein bester Freund. Beets ist Musikverwaltung für Nerds. Ein CLI-Toolkit, das automatisiert eine ganze Menge Heavy Lifting übernimmt: Richtiges einsortieren in eine Ordnerstruktur, automatisches Tagging über Online-Datenbanken, Herunterladen und Hinzufügen von Cover-Artworks, Konvertieren in unterschiedliche Formate, you name it!
Zu guter letzt, ist gerade Cyanrip in meinen Werkzeugkasten gewandert, damit ich Audio-CDs in meine Sammlung übertragen kann. Vielleicht bin ich irgendwann auch mal wieder so motiviert, mit Audacity meine Tapes und Vinyls zu digitalisieren. Aber alleine die Erinnerung an den Aufwand gruselt mir gerade doch ein wenig.
Aber am Ende bin ich auch ganz ehrlich: Dieses Setup ersetzt bei mir eben nicht meine Spotify-Subscription. Es ist vielmehr supplementär und für Musik, die eben nicht auf den Streaming-Plattformen verfügbar ist. Alben von Bands, die sich längst aufgelöst haben, Demos, rar gemachte EPs oder schlicht wegen Rechtsstreitigkeiten blockiert ist. Aber die eigene Sammlung lenkt auch meine Aufmerksamkeit auf Bands und Alben, die vielleicht schon längst aus der Erinnerung oder dem Bewusstsein verschwunden sind. Manchmal zu Recht, aber gelegentlich entdeckt man doch das ein oder andere begeistert wieder. Aber Spotify bleibt bei mir. Zum einen aus Bequemlichkeit, permanenter Verfügbarkeit. Aber auch, weil ich damit Zugriff auf Musik über meine Sammlung hinaus habe. Für den einen Abend mit Freunden, wo man eben nicht nur Death Metal und Grindcore als Hintergrundbeschallung wünscht. Oder weil man doch zu Ace Of Base und Eurodance die Gartenarbeit verrichten möchte. Und auch als Möglichkeit, neue Musik zu entdecken oder überhaupt darauf hingewiesen zu werden.