CD-Ripping im Jahr 2026

Da der Sommer 2026 all unsere Gartenprojekte so richtig torpediert hat, haben wir halt mal den Lagerraum im Keller aufgeräumt. Zwei Haushalte, die irgendwann mal konsolidiert wurden, eine Haushaltsauflösung durch einen Todesfall in der Familie und schon hat man unzählige Dinge, Dinge doppelt und natürlich noch eine Menge historischem Ballast, von dem man sich nicht trennen konnte. Nachdem bereits die Sammlung antiker Mobiltelefonladekabel aufgelöst wurde, und man nur noch ein paar USB-zu-Micro-USB-Kabel für den Notfall hat (anstelle von ca. 50kg derer), kamen irgendwann die Kisten mit CDs dran…

Persönlich bin ich ja schon lange großer Musik-Liebhaber. Und durch meine kleinen Musikmagazine kamen in deren gut 15 Jahren Lebenszeit auch unzählige Promos hinzu. Insgesamt stehen da also 5 Umzugskartons vollgestopft mit CDs in allen erdenklichen Formaten: Jewelcase, Digipak, Promo-Schuber, Digibook, etc.. Schlussendlich habe ich mich guten Gewissens von gut der Hälfte trennen können, stehe nun aber vor immer noch einer beachtlicher Menge Tonträger. Da viele davon nicht auf den gängigen Streamingplattformen vertreten sind, wollte ich meinen lokalen Musik-Server Navidrome mit den Lücken bestücken. Oder generell mal mein digitales Archiv etwas auf Vordermann bringen, da sind historisch bedingt doch einige minderqualitative Dateien dabei…

Meine letzten Rips habe ich noch mit asunder gemacht, das ist mittlerweile aber auch schon über 10 Jahre her. Womit macht man das heute? Etwas Recherche brachte mich dann auf cyanrip, ein CLI-Tool mit EAC (exact audio copy) Features und Anbindung an Online-Datenbanken für Metadaten. Eigentlich auch direkt im AUR von Archlinux und somit für mich unter CashyOS verfügbar. Leider ist das Package cyanrip wohl noch gegen eine alte Version von ffmpeg geschrieben. Als Lösung musste ich das Package cyanrip-git installieren.

Aber dann ging es ja eigentlich erst richtig los. Mein Dell XPS hat kein eingebautes CD-ROM-Laufwerk - wie wohl die meisten modernen Laptops. Also habe ich ein ziemlich altes, externes Laufwerk über zwei USB-Kabel an den Laptop angeschlossen. lsusb meldet auch eine PATA Bridge. lsblk sieht hingegen erstmal nichts. Viel Recherche, viel Analyse, der Kernel hat das Modul usb_storage nicht geladen, Grübeln und Sinnieren… Und dann feststellen, dass man ja eben das System aktualisiert hat. Reboot und das externe Laufwerk wird wie gewünscht eingebunden. Es kann manchmal so einfach sein.

Also die erste CD ins Laufwerk und los geht’s! Erstmal schauen, wie sinnvoll die Voreinstellungen so sind…

cyanrip -b 320 -o mp3

Direkte Rückmeldung: Offset nicht gesetzt!!

Also erneut:

cyanrip -b 320 -o mp3 -s 0

Natürlich war mein erster Versuch eine Promo-CD, die mehr Songs enthält, als das eigentliche Album. Auf der Rückseite stehen nur 14 Tracks, ein Blick bei Discogs zeigt, dass die normale Version auch nur 14 Tracks hat. Aber die Digipak-Version hat wohl 15. Und meine Promo-CD hat leider 16. Ach - Herr - Je. Also die CD erstmal mit dem -N Parameter einlesen, damit die Prüfung gegen Musicbrainz deaktiviert ist, und ich die MP3-Dateien auf Festplatte bekomme. Dort kann ich dann beets sich abarbeiten lassen…

Derweil ich mir noch Gedanken um die abweichende Tracklist und die ordentliche Aufarbeitung der Meta-Daten mache, landet bereits die nächste CD auf der Festplatte. Mitten im Home-Verzeichnis (dort hatte ich cyanrip gestartet), liegt nun ein neuer Ordner mit Benennung Albumtitel [MP3]. Ich denke, ich werde wohl insgesamt in meinem Unterfangen nicht um einen mehrschrittigen Prozess herumkommen, damit Verzeichnisstruktur und Meta-Daten auch konsistent sind:

  • Ripp mit cyanrip in ein temporäres Verzeichnis
  • Import über beets aus dem temporären Verzeichnis in die lokale Musik-Sammlung
  • rsync vom Laptop ins Homelab für Navidrome

Ich muss ja gestehen, ich hätte mir eigentlich vorgestellt, dass im Jahr 2026 alles etwas bequemer und einfacher wäre. Eine Anwendung für alles. Konfigurierbar nach meinen Vorstellungen. Und perfekt gepflegte Online-Datenbanken für jedes erdenkliche Nischen-Genre. Aber gut, das ist auch alles etwas Utopie! Eigentlich ist es eher das Wunder, dass man im Jahr 2026 überhaupt noch an physische Datenträger und deren Archivierung denkt, wo doch heute alles nur noch über Streaming läuft. Na gut, ich habe ja kein Problem mit einer CLI Toolchain. Und nun scheinbar wieder eine Beschäftigung für das Sommerloch. Wir hören uns, wenn ich die restlichen 1666 CDs endlich auf der Festplatte habe. Und in Staffel 2 rippe ich dann meine Audiokassetten. Stay tuned!