Gastkatze Maya
Scheinbar hat sich der September bei uns mittlerweile als Monat-der-Katzenrettung etabliert. Vor zwei Jahren kam Kalli, der Kater, den wir quasi mit dem Second-Hand-Haus gemeinsam erworben hatten, zu uns auf die Terrasse und bat uns um Hilfe. Seither ist er Teil des Rudels, obschon er und Arya sich immer noch nicht verstehen und wir nach wie vor mit einer Gittertüre getrennt leben. Aber das klappt schon irgendwie…. Letztes Jahr hatten wir dann einen schwarz-weißen Kater, den wir Tito nannten. Dieser bat uns zwar nnich explizit um Hilfe, aber war uns als Futterstelle auch nicht abgeneigt. Nachdem die Haltersuche über soziale Medien erfolglos blieb, wir sahen, dass er noch nicht kastriert war, und die Städteregion Aachen eine Aktion zur Subventionierung von Katzenkastrationen anbot, haben wir den Kater kurzerhand gesichert, kastrieren lassen und anschließend an ein schnuckeliges Paar im Nachbarort vermittelt.
Dieses Jahr kam der Aufruf durch eine Tierschutzorganisation, mit der wir gelegenlich zusammenarbeiten. Es ging um eine kurzfristige, schnellstmögliche Aufnahme einer Katze aus sehr persönlichen Gründen, alle regulären Pflegestellen seien bereits maximal ausgelastet. Da wir eh gut ausgestattet sind, haben wir also kurzerhand zugesagt. Wo eigentlich nur eine temporäre Unterbringung für eine Woche geplant war, ist Maya nun einen Monat bei uns.
Wer sich für Maya interessiert und ein Forever-Home für die kleine Bohne stellen mag, findet auf Facebook vom Katzenschutzbund Heinsberg e. V. den Vermittlungsbeitrag.
Das erste Kennenlernen war neugierig. Kaum wurde Maya aus der Box gelassen, lief sie schon durch das Büro meiner Frau, das wir im Keller errichtet haben, und hat sich alle Ecken sehr genau angeschaut. Durch den Alltag mit unseren Katzen war hier auch schon eine Vollausstattung: Kratztonne, Katzenklo, und andere Liegeflächen. Das war soweit alles in Ordnung, bis wir sie etwas alleine gelassen haben, damit sie sich eingewöhnen kann. Scheinbar hat dieser Moment der Besinnung gereicht, damit sich Maya der neuen Situation bewusst wird. Folgend war sie erstmal etwas eingeschüchtert und ängstlich.
Doch die Angst und das Fauchen hielt gerade mal eineinhalb Tage. Schnell begriff sie, dass wir ihr Futter bringen, und sie LIEBT Futter. Und auch der Umstand, dass ich ein einsachzig großer Mann mit langem Bart bin, wurde irgendwann als weniger bedrohlich eingestuft.
Also wurde es Zeit für den nächsten Schritt: An der Gittertüre, die das Büro vom Flur trennt, durften die beiden Twins Bela und Cooper mal Maya kennenlernen. Anfängliche Skepsis waren stark gepaart mit großer Neugierde. Und quasi nach zwei Tagen der abgetrennten Begegnung, konnten wir auch schon betreutes Zusammenkommen probieren. Die Skepsis war immer noch da, aber man konnte sich tolerieren.
Zwei Tage später durfte dann auch Kalli hinzu. Der Kerl hat zwar keinerleri Distanz, ist aber wirklich ein sehr geduldiger und liebevoller Kater. Und was soll man sagen? Kalli sieht die kleine Maya, läuft direkt auf sie zu und schleckt ihr übers Gesicht - wie so ein Köter. Aber das war scheinbar der beginn einer guten Freundschaft, denn die kleine Maya erwiderte die Geste und ist seither immer in Kallis nähe. Oder umgekehrt.
Diese Freundschaft führte auch zu einem kleinen Moment des Chaos und der Kettenreaktion. Scheinbar hat Maya den Cooper angesprungen, um mit ihm zu spielen. Cooper hat wiederum überreagiert und geschrien wie am Spieß. Dann kam Kalli hinzu und wollte Maya beschützen. Und schon hatten wir eine Wolke voller sich prügelnder Katzen quer durch das Wohnzimmer. Als ich eingreifen wollte, reichte Kallis Schutzinstinkt so weit, dass er mich beißen wollte, als ich nach Maya griff. Zum Glück ist sein altes Maul zahnlos und ich hatte lediglich etwas Sabber am Unterarm, als er dann begriff, was er da eigentlich in Kurzzschluss tuen wollte.
Nun vergingen die Tage und Wochen. Wir haben aktuell den Rhythmus, dass Maya und Kalli unter der Woche abends in das Büro gebracht werden und die Nacht gemeinsam dort verbringen. Das klappt hervorragend. Als wir Maya anfangs noch alleine unten hatten, wollte natürlich wieder in Gesellschaft. Und ihre unbändige Kraft und Energie hat sogar die Gittertüre aufbekommen. Nun ziert ein weiterer Riegel diese Türe… Am Wochenende darf die kleine Maya sogar bei uns übernachten. Das hat für mich unruhige Nächte zur Folge, denn der kleine Wirbelwind kommt alle paar Minuten an, legt sich zu uns ins Bett, nur um zwei Minuten später erneut auf Wanderschaft zu gehen. Und bei jedem dritten Besuch werde ich abgeleckt. Mal die Finger der Hand, die unter der Decke hervorgucken, mal minutenlang meine Glatze.
Über die Zeit haben wir wunderschön mitverfolgen können, wie Maya langsam aufblüht. Wie gesagt, anfangs skeptisch ob der neuen Umgebung und der neuen Gefährten. Die großen, dickstämmigen Kratzbäume mit den erhöhten Liegeflächen waren genau so unheimlich und doch irgendwie anziehend, wie die Kletterwand, die auf meine Bücherregale führt. Und dann ist da ja auch dieser Baumstamm an der Wand im Schlafzimmer, der vier weitere Liegeflächen bietet. Meine Frau hat der kleinen Maya jede Klettermöglichkeit gezeigt und so gut wie möglich erklärt - sofern die Mensch-Katze-Kommunikation uns dies zulässt. Mittlerweile liebt die kleine die höchsten Liegefläche in der Wohnung und beansprucht diese die meiste Zeit des Tages für sich.
Lediglich Arya beharrt auf ihrem Punkt: Sie wäre ja am liebsten Einzelkatze. Wir wissen auch nicht, wie wir sie mit Bela und Cooper sozialisieren konnten. Es bleibt uns nur die grobe Erinnerung, dass der Prozess fast zwei Jahre, viele Konflikte und noch mehr Clickertraining gedauert hat. Und so mag Ayra die Maya absolut nicht. Im Gegenteil, sie ist regelrecht aufgebracht, wenn sich der Gast provokativ vor der Gittertüre zum Wohnzimmer platziert um uns zu beobachten.
Derweil wir täglich dafür sorgen, dass unser Gast wohl versorgt ist, und so viel wie möglich für ein gutes Katzenleben lernt, läuft die Suche nach einem für-immer Zuhause. Leider schleppend, da es scheinbar mehr Katzen als Interessenten gibt, Kastrationspflicht nicht existent und jeder Trottel mit einem Badezimmer meint, er könnte Züchter spielen. Wir lassen uns jedoch nicht demotivieren. Für die kleine Maya kommt schon noch das perfekte zuhause. Und solange versuchen wir schlicht die bestmögliche Pflegestelle zu sein.
Weitere kleine Momente aus dem gemeinsamen Zusammenleben mit Maya finden sich unter dem Schlagwort #maya
Die fotogene Maya