CD-Collection Revisited KW39
Aktuell digitalisiere ich ja meine alte CD-Sammlung.. Da kann ich auch direkt mal wieder in das ein oder andere Album reinhören, was irgendwie in Vergessenheit geraten ist. Warum nicht also auch ein paar Notizen dazu hier hinterlassen?
Irgendwie fand ich den Donnerstag mit der CD-Auswahl sehr repräsentativ. Aktuell ist meine Sammlung nicht sortiert, und ich rippe quasi nach dem Chaos-Monkey-Prinzip, einfach, was mir als nächstes in die Hände fällt. Und an diesem Tag hatte ich einen guten Querschnitt durch meine Sammlung, meinen Geschmack, meine persönliche Entwicklung. Auch, wenn es zuweilen nicht meine Lieblingsalben der jeweiligen Bands sind.
- Brodequin – Methods of Execution
- Brutal Truth – Extreme Conditions Demand Extreme Responses
- Die Ärzte – Nach uns die Sintflut
- Gorguts – From Wisdom to Hate
- Gorguts – Two From the Vault: Considered Dead / The Erosion of Sanity
- Ingurgitating Oblivion – Voyage Towards Abhorrence
- Metallica – …And Justice for All
- Metallica – Garage Inc.
- Morbid Angel – Altars of Madness
- Morbid Angel – Blessed Are the Sick
- Nirvana – Incesticide
- Nirvana – MTV Unplugged in New York
- System of a Down – Mezmerize
- The Doors – L.A. Woman
- Tom Waits – Blood Money
Man sieht gut die frühe musikalische Sozialisierung (Nirvana, Metallica, Die Ärzte, System of A Down), die spätere Erkundungen in die Klassiker und großen Namen des extremen Metals (Brutal Truth, Morbid Angel) und die große Liebe für Extrema (Brodequin) und Dissonanzen (Gorguts, Ingurgitating Oblivion). Aber auch die Weiterentwicklung und Öffnung hin zu Klängen, die wohl gemeinläufig eher als Musik anerkannt werden (The Doors, Tom Waits). Ich mag diesen kleinen Ausschnitt!
Diese Woche habe ich bereits die 564. CD digitalisiert. 96 mehr als zum letzten Beitrag. Natürlich habe ich diese CDs nicht alle gleichsam hören können, sondern eher selektiv gewisse Alben rausgepickt…
Psycroptic: Ob(servant) (Technical Death Metal)
Australien funktioniert ja immer ein wenig anders. Und da sind Psycroptic auch keine Ausnahme. Technisch sehr anspruchsvoller Death Metal, tendenziell in der Nähe von Cattle Decapitation und dem verspielten Melodieverständnis von kanadischen Bands wie First Fragment - obschon nicht so neoklassisch. Der Gesang ist etwas agressiver, kein Krümelmonster, vielleicht schon etwas mehr an Cryptopsys „And then you’ll beg“. Am Ende alles gut gemacht und auf sehr hohem Niveau. Aber die prägnanten Momente zum wirklich herausragenden Album fehlen doch leider.
⭐⭐
Deathspell Omega: Infernal Battles (Black Metal)
Hach, ein wundervolles Beispiel, dass manche Band doch einen langen Weg nehmen musste. Wo die „Paracletus“ wohl mein Wohlfühl-Album für unbequemen und unorthodoxen Black Metal ist, ein Meisterwerk an technnischer Dissonanz, so ist dieses Debütalbum fast schon das hemdsärmlige Gesellenstück, das es so gerade durch die Prüfung geschafft hat. Es hat eigentlich so gar nichts mit den späteren Werken der Band zu tun und ist im besten Falle ein generisches Second Wave Of Black Metal-Ding norwegischer Geschmacksrichtung. Ein nettes Zeugnis der Bandgeschichte selber, aber alleinstehend wohl eher Tinnef.
⭐
Rotten Sound: Under Pressure (Grindcore)
Auch hier darf man das Debüt-Album als Zeitzeugnis verstehen. Wobei Rotten Sound mit „Under Pressure“ bereits einen sehr guten Einstand abgeliefert haben, und man dieses Album durchaus auch als Antwort auf die Frage geben kann: Was ist Grindcore? Es ist halt noch sehr roh, hat noch deutliche Wurzeln im Punk und Hardcore und ist nicht ganz so Blastbeat-dominiert, wie das großartige „Murderworks“ oder „Exit“. Es markiert den guten Start einer der wohl besten Grindcore-Bands.
⭐⭐⭐
Liturgy: Dawn of Ash (Brutal Death Metal)
Liturgy. Also die guten, nicht die Hipster-Black Metal Band. Obschon ich den Sinn hinter Liturgy bis heute nicht verstehe, im Endeffekt ist das die Band Brodequin ergänzt um Sänger Matti Way von Disgorge. Darum also auch die respektiven Cover-Songs auf dem Album. Aber im Endeffekt weiß man so auch, was einen auf „Dawn of Ash“ erwartet: Brutaler, schneller und absolut kompromissloser Death Metal. Sehr gut gemacht und wirklich ein Highlight des Genres. Eigentlich ein absolut unterschätzter Klassiker!
⭐⭐⭐⭐⭐
Immolation: Harnessing Ruin (Death Metal)
Ich hatte fast schon wieder vergessen, wie gut dieses Album war. Es ist düster, an manchen Stellen bewusst vertrakt, aber niemals unzugänglich oder zu überfrachtet. Im Gegenteil, eigentlich jeder Song hat immer wieder Elemente, die Hervorstechen und in Erinnerung bleiben. Alleine der Song „Dead To Me“ ist ein so unglaublich gutes Ding! Könnte man in der Retrospektive auch als Ursprung des heutigen Ulcerate-Sounds verstehen. Immolation können es einfach und ich sollte wesentlich häufiger Immolation hören. Top Teil!
⭐⭐⭐⭐⭐
Disgorge: Parallels of Infinite Torture (Brutal Death Metal)
Wo ich die Woche schon Kontakt zu einer anderen Band von Matti Way hatte, namentlich Liturgy, sind Disgorge einfach das original. Und das Album beweist sehr eindringlich, warum um den Sänger lange Zeit so ein Hype gemacht wurde. Matti ist vielleicht nicht so flexibel, wie das Kiddo von Lorna Shore, aber auch ein krasses Biest in seiner guturalen Stimme. Dazu kompromissloser Brutal Death Metal ohne Nonsens. Hammer Album!
⭐⭐⭐⭐⭐
Tom Waits: Blood Money (Avantgarde, Folk, Experimentell)
Digga, als ich noch jung war, und fast nur extremen Metal hörte, dachte ich, ich würde alles kennen. Ephel Duath, Ackercoke, Sign, alles Bands, die schon sehr experimentell sind. Und dann kommt Tom Waits daher und sagt ganz trocken: God’s away on business. pleaese insert exploding head emoji Blood Money klingt schlicht wie ein Gala-Abend beim Belzebub in den Roaring Twenties. Obskur, Zirkus-esque, zynisch, bitter und düster. Oder wie Tom Waits es selber sagte: I like beautiful melodies telling me terrible things. Was ein abgefucktes Album, dagegen ist Black Metal kein Krieg, sondern Kindergeburtstag mit Topfschlagen!
⭐⭐⭐⭐⭐
Ingurgitating Oblivion: Voyage Towards Abhorrence (Technical Death Metal)
Anspruchsvoller und düsterer Death Metal. Als ich das Album damals zum ersten Mal gehört habe, hatte es gewisse Alleinstellungsmerkmale, denn in seiner Herangehensweise war es etwas entgegen dem Zeitgeist, der zwischen Brutal / Slam und eher gefälligem Death Metal lag. Ingurgitating Oblivion haben sich jedoch eher an Morbid Angel und Immolation orientiert und die Stellschrauben etwas technischer gezogen. Ergebnis ist ein sehr gutes, sehr düsteres und sperriges Album. Heute muss ich gestehen, dass ich diese Frühphase der Band sogar besser finde, als die neueren Werke, die noch wesentlich experimenteller und somit auch ziemlich sperrig sind. Heute sind Ingurgitating Oblivion wohl der Geheimtipp für Leute, die Defeated Sanity als zu eingängig empfinden. „Voyages Towards Abhorrence“ ist auf jeden Fall für mich ein hervorragendes Ding.
⭐⭐⭐⭐