Aus dem Archiv: Interviews und Reviews 2005-2018
Ich schreibe ja schon sehr lange mit diesem Internet. Und da ich, nach ein paar Jahren Beziehungspause, nun doch wieder eine eigene Seite in diesem Internet habe, dachte ich mir, ich könnte ja auch wieder ein paar Dinge aus der Mottenkiste hervorzaubern. Natürlich waren Beiträge aus den persönlichen Blogs naheliegend. So als Zeitkapsel-Ding, hatte ich das auch vorher, Dinge von Wordpress in den darauf folgenden Hugo-Blog übernommen. Und nun eben aus alter-krempel.zip in diesen Blog.
Aber ich habe ja nicht nur privaten Nonsens in dieses Internet getippt, sondern war auch mal jung und hip und hatte zwei eigene Musik-Magazine: NecroSlaughter.de (2003-2018) und TheNocturnalSilence.de (2016-2018). Da dachte ich mir, ich kann durchaus auch ausgewählte Interviews, Reviews und Essays abstauben und in eine neue digitale Vitrine stellen.
Neben den offensichtlichen Aspekten der Selbstdarstellung und Konservierung meines kleinen Schaffens, hatte diese digitale Archäologie aber auch noch andere erfreuliche Aspekte. Irgendwie war es wie das Stöbern durch die Plattensammlung. Man holt ewig nicht mehr gesehenes Vinyl aus dem Regal, wundert sich über die Staubschicht auf der Hülle, erfreut sich an dem Cover, bekommt Erinnerungen, teilweise nostalgisch verklärte Reminiszenzen. Man lächelt und legt die Platte einfach auf den Teller. Nun beginnt das Gefühlslotto, bekommt man verträumte Bestätigung der Nostalgie? Wird man abermals emotional abgeholt, gar überwältigt? Oder stellt man fest: Ach herrje, das ist ja alles gealtert wie Milch!
So fand während meiner Aufbereitung manch vergessenes Album oder gar Band wieder einen Platz in meiner Playlist. Einiges darf dort auch gerne weiter bleiben. Manch anderes wurde einfach belächelt und unter diesem Zeitgeist abgehakt.
Aber auch auf anderer Ebene finde ich dieses Fast-Forward meiner eigenen musikalischen Geschichte spannend. In diesem komprimierten Schnelldurchlauf sehe ich eine Weiterentwicklung meines Musikgeschmacks über die Jahre, Relfektionen des jeweils angesagten Trends, und auch den ein oder anderen Weitblick, der eben über damalige Scheuklappen schon ein wenig hinaus ging. Doch auch stilistisch sehe ich - zum Glück! - deutliche Entwicklungen. Wo meine ersten Interviews mit gerade mal Anfang 20 doch noch etwas hemdsärmlig waren, in den folgenden Jahren vielleicht auch sprachlich zu eng in der Szene gefangen, waren meine letzten Gespräche mit Musikern doch ein wenig erwachsener.
In den 15 Jahren Musikjournalismus kam ich auf 113 Interviews und 1300 Reviews - diese 13 scheint bei mir ein Ding! Dabei ist natürlich auch eine ganze Menge Mist dabei. Sowohl bei den besprochenen Veröffentlichungen selber, aber auch stilistisch in meinen Texten. Ich denke, das meiste darf sicherlich im Pappkarton im Keller weiter Staub ansammeln. Doch an den ausgewählten 33 Gesprächen und Texten erfreue ich mich zumindest im Moment ein wenig…
Ach, was ich fast schon wieder vergessen habe! Einige meiner Interviews wurden auch in anderen Musikmagazinen abgedruckt. Natürlich gab es da die gedruckte Version von The Nocturnal Silence, die Thor vom Mørkeskye Magazin anfertigte, weil er meine Gespräche mit Ultha und noch viel mehr mit Beltez mochte. Aber auch im Campaign For Musical Destruction oder Necromaniac waren Texte von mir zu finden. Damals war ich da schon ziemlich stolz drauf. Musste mich damit aber nicht sonderlich profilieren. Heute muss ich wohl mal zur nächsten gammeligen Kiste in den Keller gehen und nachschauen, wo mein Senf überall zu finden war und das hier entsprechend an das Editorial ranschreiben…