Lessons Learned: Bullet Journal
Im August beginne ich ein frisches Bullet Journal. Dabei fließen sowohl einige Inspirationen wie auch persönliche Erfahrungen aus meiner bisherigen Nutzung mit ein. Darum mal kurz zusammengefasst.
Vorgeschichte
Meine ersten Versuche mit Bullet Journals machte ich im Frühjahr 2014. Eigentlich kurze Zeit, nachdem ich auf den papierlosen Haushalt umsteigen wollte, das Smartphone bot scheinbar für jede Aufgabe eine App:
- Notizverwaltung mit Evernote, SimpleNotes, Google Keep
- Aufgabenverwaltung mit TickTick, Evernote oder Erinnerungen im Google Calendar
- Terminverwaltung über den Google Calendar
Soweit sollte eigentlich alles abgedeckt sein. Durchsuchbar, lesbar, immer dabei und doch synchron über unterschiedliche Endgeräte wie Smartphone, Laptop oder Desktop-PC und mit Backup in der Cloud, nur für den Fall der Fälle.
Für mich ist aber eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben sehr wichtig. Nur so kann ich daheim von der Arbeit abschalten, private Informationen von den beruflichen trennen und eine kontextsensitive Abgrenzung erreichen. Für die Arbeit wollte ich aber nicht zusätzlich den gleichen Stack aus Apps und Webanwendungen aufsetzen. Teilweise, weil ein kontextsensitiver Parallelbetrieb von privatem und geschäfftlichem Account nicht immer möglich ist. Und außerdem ist es in meinem Unternehmen heute noch unhöflich, wenn man im Meeting die ganze Zeit vor dem Smartphone hängt, sei es nur um sich Notizen zu der Besprechung zu machen. Darüber hinaus ist natürlich der Schreibkomfort auf Smartphone und Tablet nicht annähernd so bequem, wie auch die Geschwindigkeit deutlich hinter der klassischer Tastatur hängt.
Als Alternative probierte ich Papiervarianten von GTD und unstrukturierte Notizen auf losen Blättern. GTD war mir irgendwann zu starr, die losen Blätter machten rückwirkende Suchen nach Notizen unübersichtlich. Da kam das Bullet Journal genau richtig. Alles in einem Notizbuch, strukturierte Syntax, flexibler Aufbau. Seither benutze ich das System konsequent auf der Arbeit.
Privat wusste ich hingegen nicht, ob Journaling für mich sinnvoll ist. Deswegen hatte ich daheim ein kleines, altes Büchlein in Din A6, das ich mit sporadischen Einträgen fütterte. Ein bisschen inspiriert durch „Why You Should Keep a Journal (and How to Start Yours)„, dem 5-Minute-Journal und der Done-Liste. Quasi als Abschluss und Review meines Workflows aus digitalem Kalender, Aufgabenverwaltung und Notizen der bereits benannten Apps.
Lessons Learned
Doch da waren bereits die ersten beiden Fehler: Das Notizbuch war zu klein, das Schreiben machte auf Din A6 keinen Spaß. Und trotz der Größe lag das Büchlein immer daheim auf dem Schreibtisch und wurde erst Abends befüllt. Andere Aufgaben verdrängten das Journaling immer weiter, die Abstände der Einträge wurden immer größer und irgendwann ließ ich es ganz bleiben.
Für 2015 sollte ein leeres Buch für die Arbeit her. Warum nicht also auch gleichzeitig einen neuen Versuch daheim unternehmen? Aus der Größe habe ich gelernt. Doch aus der Erfahrung wusste ich auch: Es kann sein, dass ich irgendwann wieder aufgebe. Deswegen ein Kompromiss: Ein Kladde von Clairefontaine in Din A5 mit 96 karierten Seiten. Und diesmal sollte es ständig mit und einige digitale Dienste ablösen. Mir gefiel der Workflow zwischen Notizen, Termin- und Aufgabenverwaltung nicht. Für jede Aufgabe eine App, sperrige Wechsel zwischen den Anwendungen, unnötige Verzögerungen im Fluss. Querverweise waren eher umständlich als dass sie Nutzen brachten.
Brücke zur Digitalen
Dennoch sollen sich das Bullet Journal und Apps nicht ausschließen. Temporäre Notizen wie Einkaufslisten (TickTick), Weblinks zum später lesen (Pocket) oder langfristige Terminplanung (Goolge Calendar) komplettieren das Notizbuch, halten es sauber, übersichtlich und offen für längerfristige Planung. Schlussendlich hat sich mein Informationsmanagement deutlich verbessert, das Notizbuch ist mittlerweile wichtiger Bestandteil meiner Selbstorganisation geworden und nicht mehr ein Selbstzweck zum „Journaling“.
Neuanfang
In dieser Kombination habe ich nun seit Anfang 2015 bis heute fast die komplette Kladde gefüllt. Wenige Seiten sind verbleibend, einige wichtige Informationen brauche ich aber noch im September. Ein guter Zeitpunkt, um die Daten bereits jetzt zu migrieren und bereits im August mit einem neuen Journal zu starten. Wie eingehend geschrieben, nicht ohne die Berücksichtigung einiger Erfahrungen aus dem praktischen Gebrauch:
Das neue Buch
- Umfang. Auch wenn dieses Jahr nur noch fünf Monate hat (und ich eigentlich ein dediziertes Buch pro Jahr haben will), musste dieses Mal direkt ein dickeres Notizbuch her. Bisher habe ich knapp 90 Seiten für 7 Monate verbraucht, also sollten es mindestens 180 Seiten für ein komplettes Jahr sein. Lieber etwas mehr als zu wenig.
- Fester Einband. Ich transportiere das Buch täglich in meiner Tasche und mache einige Notizen in Bus, Bahn oder im Park. Ein hartes Cover schützt das Buch selber, und bietet gleichzeitig eine stabile Schreibunterlage.
- Stiftband. Bisher habe ich meinen Kugelschreiber immer in die Kladde geworfen – und dadurch auch schon mal verloren.
- Dokumententasche. Lose Blätter, die man so hat, flogen aus meiner Kladde schon mal einfach raus. Wie bereits mein Kugelschreiber.
- Lesezeichen. Eigentlich eher ein Nice-To-Have. Aber ohne den Kugelschreiber zwischen den aktuellen Seiten, würde ich dennoch gerne schnell zum nächsten freien Platz für meine Notizen kommen.
Natürlich bietet sich da klassisch ein Moleskin oder Leuchtturm an. Diese beiden Notizbücher kosten aber auch direkt etwas mehr. Für etwas weniger Geld bekomme ich in meiner Buchhandlung auch ein leeres Notizbuch mit all diesen Features für €12,50. Zugegeben, der Preisunterschied ist eher marginal (Vergleich: Moleskin 16.90, Leuchtturm ~13,95). Aber das Format des händlereigenen Buches ist für mein empfingen auch etwas handlicher.
Größenvergleich:
- Moleskin: 130 x 210mm
- Leuchtturm: 145 x 210mm
- Mayersche (Eigenmarke): 125 x 195mm
Neues Setup
Im aktuellen Journal habe ich einfach alles einfach hingekritzelt. Die Monatsübersicht war einfach nur eine Liste mit unerledigten Aufgaben aus dem Vormonat, es gab kaum Planung für die Wochen, sondern einfach nur das aktuelle Datum und die entsprechenden „Bullets“. Da sind schon mal einige Informationen verloren gegangen. Natürlich habe ich bereits das laufende Bullet Journal immer dynamisch neu an die Anforderungen angepasst. In einem neuen Buch ist aber alles noch so wunderschön frisch (:
- Index: Wie gehabt, drei Seiten wo Themen zu ihren Seitennummern zugeordnet werden.
- Future-Log / Jahresübersicht: Zwei Seiten, jeweils in Drittel aufgeteilt für die Monate August bis Dezember 2015 plus ein Drittel für zukünftige Ereignisse in 2016
- Monatsübersicht: Diese ist für mich mehr oder minder neu und an meine Anforderungen angepasst. Insgesamt über zwei Seiten gibt es eine Kalender / Termin-Übersicht mit integriertem Tracker, damit ich schnell und einfach einen Überblick bekomme, wann ich was gemacht habe. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen (migrierte) Aufgaben für den Monat und ein Notizfeld für den nächsten Monat
- Wochenübersicht: Auf einer halben Seite werden hier redundant anstehende Termin aufgelistet und eine Spalte für den Essensplan dieser Woche freigehalten. Ereignisse für die nächste Woche, werden in der Monatsübersicht notiert und entsprechend terminiert.
- Täglich: Wie gehabt: Datum und dann die Einträge.
- Zusätzlich neu eingeführt: Seitliche Markierungen, wie sie angeblich einem japanischen Notizbuchsystem entspringen.
- Immer wieder dazwischen: Collections, Bucket Lists, etc. Hier sind die Themen eigentlich immer kontextabhängig. Hier eine Urlaubsplanung, dort Vorbereitung einer Reise, dann wieder Notizen um ein neues Tool/einen neuen Webservice, Geschenkideen, Wunschlisten, etc.pp. Alles wie gehabt, da diese Informationssammelbecken bisher immer wunderbar funktioniert haben.