At The Gates - The Red In The Sky Is Ours

Veröffentlichung: 1992 Genre: Death Metal
The Red In The Sky Is Ours

Ich mache keinen Hehl daraus: Als ich zum ersten Mal „The Red In The Sky Is Ours“ gehört habe, bin ich mit dem Album nicht wirklich warm geworden. Ich selber musste erstmal Reifen um zu verstehen, was das einfach für ein unglaubliches Meisterwerk ist! Das Album ist sowohl im Zeitgeist einfach unglaublich extrem, mutig, verspielt und dennoch direkt genug, um einfach nur das Fressbrett zu polieren.

Es fängt ja eigentlich schon bei Tompa Lindbergs Gesang an. Etwas dermaßen angepisstes und wütendes hört man im Metal sehr selten - auch wenn das Genre ein anderes Selbstbild hat. Black Metal? Kindergeburtstag dagegen, auch wenn dieses Subgenre ja alles daran getan hat, damit der Gesang eben unmenschlich klingt. Bei Tompa ist es aber authentisch. Es ist unglaubliche Wut, Hass, Verzweiflung. Nuanciert über die Spieldauer des Albums auch mal kurzzeitig fragil. Allerdings muss ich zugeben, dass gerade der Gesang für mich damals auch eine Einstiegshürde in das Album war. Da muss man wohl erstmal den Zugang bekommen. Aber wenn man einmal drin ist, wird man mit zuweilen poetischer Bildsprache belohnt, Tompa ist wirklich ein großer Künstler gewesen.

Musikalisch ist „The Red In The Sky Is Ours“ oft dem Melodic Death Metal zugeordnet, aber in seiner düsteren Grundstimmung fernab von dem, was man unter späteren In Flames oder Dark Tranquility sonst under dem Genre versteht. Vielmehr ist es eine verspielte, experimentierfreudige Interpretation des Death Metals. Vielleicht Atmosphärischer als es andere Bands zu der Zeit waren, aber auf keinen Fall Pop-kompatibel oder Radio-tauglich.

Für mich ist das Album eigentlich genau das, wofür Black Metal in der zweiten Welle oftmals stand: Bewusst mit gängigen Konventionen brechen, mal unbequem sein, mal experimentieren und Neues probieren, dann aber auch wieder auf das Wesentliche besinnen und direkt sein. Aber immer aus dem Bauch heraus, niemals verkopft.

Highlights

Neverwhere: Der Song präsentiert eigentlich den Spirit von At The Gates perfekt. Er beginnt schon vertrakt, experimentiert und bricht mit Konventionen, deutet aber auch schon direkt in den ersten 30 Sekunden den Blick über den Tellerrand an, nur um dann wieder obskur zu werden. Alleine der angepisste Gesang ist absolutes Gold. Und die Melodielinien an den Gitarren ab 1:13 sind genau so notwendig, wie die Blastbeats ab 1:25, um sowohl den Song selber als Aushängeschild für das Album, wie auch die Band zum damaligem Zeitpunkt einzufangen. Den Mut, Streicher immer subtil im Hintergrund einzusetzen, durchzieht den Song - wie Streicher generell auf dem Album einen wichtigen, wenngleich nicht zentralen Punkt einnehmen. Allerdings mündet alles in einem wahnwitzigen Höhepunkt ab 3:55, wenn sich der Song immer weiter und weiter Steigert, nur um ab 4:07 endlich die emotionale Auflösung zu bekommen, auf die bisher hingearbeitet wurde.