Obsidian: Eine kleine Einführung

Ich bin ja leidenschaftlicher Obsidian-Nutzer. Und da ich kürzlich meinen Arbeitskollegen eine kurze Einführung in das Tool geben durfte, nutze ich direkt mal die Gelegenheit, um meine Notizen hier gleichsam zu veröffentlichen.

Obsidian ist ein tolles PKM (Personal Knowledge Management) Tool. Es ist primär ein Markdown-Editor, der mit Erweiterungen der Syntax und eigenen Features aus simplen Text-Dateien eine vollwertige Wissensdatenbank erschafft. Über Plugins ist der Funktionsumfang erweiterbar. Doch dabei ist Vorsicht geboten, dass man System und Software nicht über Gebühr aufbläht. Wie immer lautet die Devise: Less is more. Da Obsidian schlicht auf Markdown in Text-Dateien und Ordnern auf dem Dateisystem basiert, kann man auch mit beliebigen anderen Editoren an den gleichen Dateien arbeiten, diese in Backups und Versionierung inkludieren und ist schlussendlich nicht an die Nutzung von Obsidian gebunden.

Das Vault

Grundsätzlich startet man mit Obsidian und gibt zunächst einen lokalen Ordner auf der Festplatte an, wo die Notizen gespeichert werden sollen. Dieser Ordner ist dann das „Vault“. Innerhalb des Obsidian Vaults werden dann auch Einstellungen und Plugins für diesen „Workspace“ gespeichert. Man kann beliebig viele Vaults haben, die unabhängig von einander funktionieren, jedes hat seine eigenen Plugins, seine eigene Konfiguration, sein eigenes Theme.

Struktur der Wissenssammlung

Innerhalb des Vaults kann man seine Notizen dann beliebig mit Ordnern und Unterordnern strukturieren. Natürlich kann man wild einfach neue Notizen erstellen und diese dann beliebig miteinander verknüpfen (dazu später mehr), aber es empfiehlt sich, dass man eine grobe Ordnerstruktur zuvor anlegt. Wenn man mit Tagesnotizen arbeitet, empfiehlt sich hierfür vielleicht der erste Ordner. Man kann in schlicht Daily nenne, oder, wenn man eine feste Reihenfolge von Ordnern bevorzugt, ein nummerisches Prefix wie 01_Daily verwenden.

Core-Plugin: Tagesnotizen

Tagesnotizen sind eines der nützlichsten Core-Plugins von Obsidian. Es erstellt direkt beim Start der Anwendung eine neue Notiz für den heutigen Tag und öffnet diese im Editor. So kann man direkt etwas niederschreiben, ohne dass man zuvor eine neue Datei per Hand erstellen muss. In den Einstellungen des Plugins kann man durch Platzhalter in Dateiname und Speicherort auch direkt für automatische Ordnung sorgen; ein YYYY-MM-DD erstellt eine Datei, die Jahr, Monat und Tagedatum als Dateinamen hat, ein vorangestelltes YYYY/YYYY-MM/ sorgt dafür, dass die Tagesnotizen sortiert nach Jahr und anschließend nach Monat in Unterordner sortiert werden. Will man seine Tagesnotizen direkt in einer bestimmten Struktur anlegen, kann man noch ein Template für die Tagesdatei angeben.

Core-Plugin: Templates

Templates ist ein weiteres, sehr nützliches Core-Plugin. Man dafür einen Ordner in seinem Vault, beispielsweise Templates, _templates oder 99_Templates, je nach Geschmack, und erstellt darin einmal eine Notiz in der Form, die man als Vorlage haben mag, mit Überschriften, Spiegelpunkten oder auch Meta-Daten (dazu später auch mehr). Das Plugin für die Tagesnotizen übernimmt dann automatisch diese Vorlage, ersetzt dort auch Platzhalter-Variablen für das Datum automatisch, für die neue Notiz. Wenn man manuell eine neue Notiz angelegt hat, und eine Vorlage einfügen will, geht das über die Kommando-Palette, die man mit STRG+P aufrufen kann.

Meta-Daten mit Front-Matter

Neben dem gängigen Markdown-Flavour hat Obsidian noch einige sehr nette Erweiterungen der Auszeichnungssprache eingebaut. Ein nettes Feature ist das „Front-Matter“, eine Möglichkeit strukturierte Meta-Daten an einer Notiz zu speichern. Im rohen Text sieht das in etwa so aus:

---
date: 2026-10-29
categories:
- test
tags:
- #demo
- #doku
---

Hier startet die eigentliche notiz

In der Live-Ansicht werden diese Meta-Daten als „Eigenschaften“ im Kopf der Notiz angezeigt und man kann den Typen von Eigenschaften festlegen, sodass man für das Datum nur Datumsangaben machen, und eben keinen Freitext eingeben kann. In der mächtigen Suche kann man dann auch nach Notizen für bestimmte Meta-Daten suchen: ["categories":test]

Tags

Über Tags kann man Notizen lose miteinander verknüpfen. Zum einen werden Tags in er Tag-Ansicht der Seitenleiste aufgeführt und man kann sich zu einem Tag die zugehörigen Notizen anzeigen lassen, über die Suche kann man auch von Hand nach Schlagwörtern suchen: tag:#demo. Tags müssen nicht zwangsläufig in den Meta-Daten einer Notiz sein, sondern man kann die Hashtags auch einfach mitten in einer Notiz einfügen und Obsidian findet diese dennoch.

Das Tag-System von Obsidian ist mächtig und verleitet leider auch etwas zu Überstrukturierung. Man kann nicht nur einzelne Schlagworte nutzen, sondern „Unterkategorien“ einfügen, indem man die Hierarchie über / trennt. Beispielsweise #Category/Subcategory/Topic-1 und #Category/Subcategory/Topic-2 Damit man sich nicht zu sehr in der Verschachtlung von Schlagwörtern verliert, sollte man auch hier bedenken: Keep it simple, less is more!

Richtig interessant wird jedoch die harte Verknüpfung von Notizen untereinander. Hierzu bedient sich Obsidian der Wikilink-Syntax mit [[Name_der_Notiz]]. Dies erlaubt zum einen das direkte Springen zu der entsprechenden Notiz über einen Klick auf den Link, zeigt aber auch in der Graphen-Ansicht die zusammenhänge zwischen Notizen. Für den einen lediglich eine nette Spielerei, für den Methodologen, der Systeme wie Zettelkasten verwendet, vielleicht essenziell. Diese Art der Verlinkung ermöglicht aber auch das Erstellen von individuellen Dashboards, wo man häufig benötigte Notizen in einem Einfallstor direkt im Zugriff hat. Die Syntax erlaubt auch das Vergeben von Anzeigenamen durch das |-Symbol: [[Name_der_Notiz|Mein toller Anzeigename]]. Doch auch bei diesen Wikilinks sollte man vorsichtig sein! Obsidian verlinkt die erste Notiz mit dem Namen, die es beim Einlesen des Vaults findet. Hat man zwei Notizen mit dem gleichen Dateinamen, aber in unterschiedlichen Unterordnern, ist nicht eindeutig, welche Notiz am Ende verlinkt wird. Hier helfen vielleicht explizite Markdown-Links: [Link-Titel](Link-Ziel).

Erweiterungen des Markdown-Standards

Neben den Wikilinks hat Obsidian auch andere Erweiterungen des Markdown-Standards inkludiert, einige davon sicherlich nahe an dem Github-Flavoured Markdown. Dazu zählen Abhaklisten mit - [ ] (sehr praktisch für offene Aufgaben oder die Erstellung von Runbook-Templates) oder auch Callouts / Admonitions. Das sind speziell formatierte Zitatblöcke, die optisch besonders hervorstechen sollen, beispielsweise Warnhinweise:

> [!warning] Achtung
> Dies ist eine Warnung!

Wenn man Code-Fences mit einem entsprechenden Hinweis versieht, werden Code-Blöcke auch direkt mit Syntax-Highlighting dargestellt:

    ```bash
    cd MyDir
    touch test.txt
    ```

Komfort beim Einfügen von Bildern

Für den komfortablen Notizfluss erlaubt Obsidian auch das direkte einfügen von Bildern aus der Zwischenablage mit STRG+V. Damit wird die Bilddatei automatisch in das Vault kopiert und mit der korrekten Markdown-Syntax (![](image.jpg)) in die Notiz eingefügt. In den Einstellungen kann man angeben, ob eingefügte Dateien direkt neben der Notiz landen, in einem relativen Ordner zur Notiz, oder ob alles in einen zentralen Ordner eingefügt werden soll.

Obsidian spezifische Features

Darüber hinaus hat Obsidian noch weitere, mächtige Features wie Canvas für Mindmapping oder Bases, die aus der Notizsammlung quasi Datenbank-ähnliche Views erzeugen können. Doch sind diese Features sehr spezifisch für Obsidian, und man läuft schnell Gefahr, dass man sich doch wieder in einen goldenen Käfig begibt, und die eigene Wissenssammlung doch zu sehr an eine Anwendung bindet.

Erweiterung durch Plugins

Obsidian hat quasi zwei Plugin-Systeme. Einmal gibt es die Core-Plugins, die durch Obsidian selber ausgeliefert werden. Und dann gibt es noch die Community-Plugins, die von anderen Obsidian-Benutzern erstellt und bereitgestellt werden. Wie gesagt: Durch die Verwendung von zu vielen Plugins kann das System und die Anwendung selber sehr schnell aufgebläht werden und man sollte seine Plugins mit Bedacht auswählen.

Mitunter macht es beim ersten Einrichten von Obsidian Sinn, dass man die Core-Plugins mal durchgeht und überlegt: Brauche ich dieses Feature wirklich? Dass man Präsentationen direkt aus Obsidian starten kann, ist vielleicht ganz nett und brauchbar. Wenn man den bezahlten Dienst „Obsidian Sync“ nicht abonniert hat, braucht man womöglich auch das Plugin nicht.

Die Nutzung von Community-Plugins muss man erstmal aktivieren. Anschließend kann man die Plugins direkt aus Obsidian heraus installieren und im Anschluss auch aktivieren. Derweil Obsidian von Haus aus direkt Mermaid-Diagramme rendern kann, mag man vielleicht auch Unterstützung für PlantUML oder ExaliDraw? Oder man will sein Vault auch remote sichern, dafür gibt es Plugins mit Git-Integration oder auch „Remotely Save“, das u.a. WebDav als Backend nutzt. Beides sind auch Möglichkeiten, wie man Notizen über mehrere Endgeräte hinweg synchronisieren kann.

PKM ist individuell

Obsidian liefert erstmal ein sehr mächtiges Tool, was aber sehr einfach zu nutzen ist. Man hat einen Editor und offene Dateiformate. Damit kann man dann beliebige Systeme umsetzen - oder auch schlicht mit Chaos arbeiten!

Erprobte Konzepte wie Second Brain oder Getting Things Done? Lassen sich beide mit Obsidian darstellen. Manuelle Struktur an die eigenen Bedürfnisse und Themengebiete angepasst? Kann Obsidian mit Ordnern und Templates. Zettelkasten mit eindeutigen IDs pro Notiz? Kann Obsidian direkt mit Core-Plugin. Chaotisch jeden Tag eine neue Notiz erzeugen, in die man einfach reinschreibt? Das Tagesnotiz-Plugin ist dein Freund. Dank Verlinkungen und mächtiger Suchfunktion ist die Methodologie fast schon egal.

Dabei ist es egal, ob man Obsidian exzessiv nutzt und permanentes Journaling betreibt, einfach nur mal eine schnelle Notiz anlegen will, oder daraus ein sauberes, geplantes und strukturiertes Wiki anlegen will. Im Endeffekt kann Obsidian alles sein, ein simpler Editor oder ein ausgereiftes PKM-System. Am Ende entscheidet man selber, wie und wofür man Obsidian nutzt.