Gartenteich
Unser Second-Hand-Haus hatte ursprünglich mal einen Teich. Der Vorbesitzer erzählte uns jedoch von seinem Rückbau, und dass die Grube nun von ihm mit Gartenabfällen aufgefüllt würde. Nach dem Kauf hatten wir erst die Gelegenheit einen Blick unter die zersetzende Schicht Rasenmahd zu blicken - und fanden in dem alten Loch ca. 3,5m³ Bauschutt, den der Vorbesitzer wohl beim Sanieren einiger Räume schlicht dort verbuddeln wollte. Also haben wir einen Container bestellt, den Schutt entsorgt und die alte Teichfolie entfernt. Zu diesem Zeitpunkt war das Thema Gartenteich für uns erstmal abgeschlossen.
Doch spätestens seit diesem Sommer wurde uns bewusst: Wenn wir einen ökologischen Lebensraum für Wildtiere auf unserem Grundstück anstreben, ist ein Gewässer unerlässlich! Bei knapp 38°C sah man Tier, egal ob Vogel oder Eichhörnchen, das Leid förmlich an. Wir haben schon vorher diverse Schalen und Schüsseln mit Wasser in den Garten gestellt. Eichhörnchen, Sperlinge, Meisen, streundende Katzen, alle nahmen diese Schalen bereits sehr gut an. Dieses Jahr kam dann ein Fußbad hinzu, das wir ursprünglich mal für unsere wasserliebenden Katzen kauften, die jedoch die Badewanne nach wie vor attraktiver finden. Nun stand das Bad im Garten und man konnte die Rabenvögel dort schlangestehen sehen. Als Dankeschön gab es auch Tauschware in Form von Walnüssen oder anderem Klumpatsch, den die Raben und Elstern uns systematisch hinterließen. Die kleine Solarpumpe, die für etwas Bewegung im Wasser sorgen sollte, wurde hingegen für andere Tauschhandel von den Vögeln systematisch zerlegt und geplünder. Aber gut, das Leben ist ein nehmen und geben.
Dies war jedoch der Moment in dem wir wussten: Wir benötigen Wasser im Garten. Für die Tiere. Nicht für uns. Ein Naturteich muss her, der als Tränke und Erfrischungsort für die Tiere dienen kann. Und dank Kleinanzeigen fanden wir gar eine 800l Wanne zum Verschenken. Mit dem Hänger eines Bekannten wurde diese zu uns transportiert. Und auch wenn die Teichsaison nun eigentlich längst vorbei, wollte ich das Becken noch vor dem Winter installieren, damit es sich bis zum nächsten Sommer ordentlich setzen kann, und nicht einfach im Garten herumsteht.
Wir entschieden uns für einen anderen anderen Ort als der ursprüngliche Teich. Zum einen, weil dieser relativ ungeschützt an der Nordseite des Gartens war, in unmittelbarer Nähe der Bäume vom Nachbargrundstück - das Laub wollten wir nicht unbedingt jedes Mal aus dem Teich entfernen müssen. Der neue Teich sollte an die Südseite des Gartenstücks, wo er von unserem Zaun zum anderen Nachbargrundstück etwas besser beschattet ist, und durch neue Bepflanzung optisch ansprechend eingerahmt werden kann. Leider befand sich an dieser Stelle eine Tuja-Hecke, die wir kürzlich (für die Errichtung des neuen Zaunes) entfernten. Doch das Wurzelwerk blieb, damit der Aushub des Bodens auch weiterhin eine spannende Aufgabe bleibt!
Nun weiß ich in der Retrospektive nicht, was die mühevollste Aufgabe an dem Unterfangen war. Das Loch ausheben war sicherlich anstrengend. Aber da die Wanne konzeptionell für Pumpe und Filteranlage ausgelegt war, musste auch ein Ablauf vom Boden zur Filterwanne verlegt werden. Dieser war in der Schenkung nicht enthalten und musste aus KG-Rohren selber zusammengestellt werden. Verdammte Axt, ich bin Büro-Hengst und denke maximal in zwei Dimensionen: Zeilen und Spalten. Und nun musste ich in drei Dimensionen diese Verbindung aus 15°, 30° und 45° Verbindungsstücken zusammenwürfeln. Und wenn so kleine Winkelstücke mal zusammengesteckt sind, ist das durchaus eine Herausforderung, die Verbindung wieder zu Lösen.
Kürzlich haben wir Physical 100 und dessen Derivate auf Netflix geschaut. Das ist schon nett, wenn da Sportler verschiedener Couleur in scheinbar einfachen, aber extrem anstrengenden Disziplinen gegeneinander ankämpfen. Doch fände ich es mal angenehm, wenn der Gewinner nicht über Planks und Monkeybars ermittelt würde, sondern wenn die Muskelmänner KG-Rohre auseinanderziehen und 1m³ Erde ausheben müssten. Aber das vielleicht nur eine Momentaufnahme meiner sportlichen Wahrnehmung…
Wie dem auch sei, das Loch war gegraben, die Verbindungsrohre zusammengesteckt, ohne dass diese von uns benutzt werden. Es ist eher ein „haben ist besser als brauchen“, denn wir wollen eigentlich einen Naturteich ohne Technik. Nun muss die Wanne aber in den Boden. Ein paar Erfahrungen mit Teichbau hatte ich bereits, kam meine Großmutter früher schon auf die Idee des Naturhabitats - und natürlich des Sparens von Abwassergebühr, wenn man die Regenabflussrinnen einfach in den Teich umleitet. Also hatte ich schon zwei Teiche auf ihrem Grundstück angelegt, jedoch mit Folie und nicht mit einer Wanne. Der Kollege Densco plädierte erst kürzlich dafür: Einfach mal machen! Und auch mit eventuellen Fehlern leben, denn die gehören dazu. Mit etwas Recherche im Internet bekam ich also Ansatzpunkte für das weitere Vorgehen und 2m³ Estrichtsand für die Einbettung wurden vom lokalen Baustoffhandel in Bigbags bereitgestellt. An dieser Stelle will ich nochmal fluchen, dass die Anlieferung mit Kranwagen teurer war, als das Baumaterial selber. Aber gut, so ist das nun mal.
Jetzt kann ich wieder anknüpfen an die Frage: Was war der mühseligste Teil? Graben, zusammenstöpseln oder das einbetten? Ich glaube, ich habe insgesamt vier Wasserwaagen, eine Richtlatte und mehrere Dachlatten zur Austarierung benötigt. Und natürlich hat das genaue Ausrichten auch Ewigkeiten gedauert. Dann musste der Teich eingebettet werden, also durch den kleinen Spalt zwischen Erdreich und Teichwanne den Sand einfüllen und mit Wasser einschlemmen, damit er sich ordentlich verteilt. Anfangs war das wirklich ziemlich frustrierend, immer wieder kontrollieren, ob noch alles in der Waage ist, nachfüllen, schlemmen, etwas Wasserdruck in der Wanne aufbauen, von vorne. Irgendwann stand aber alles und die Dachlatten zur Arretierung waren nicht mehr nötig. Erfolg!!! Doch leider war es gerade mal Halbzeit, denn es sollte nochmal genau so lange dauern, bis die komplette Wanne in Sand gebettet war….
Nun ist das Becken im Boden. Diverse Findlinge, die wir bei anderen Arbeiten im Garten gesammelt hatten, umranden den Teich. Gefüllt ist er bisher nur zur Hälfte, denn wir wollten auch schon ein paar Pflanzen vor dem Winter die Möglichkeit zum Setzen geben. Aber: Die Teich-Saison ist eigentlich schon vorbei. Unser erster Anlaufpunkt war eigentlich der Aquatop. Allerdings war alles für den Gartenbedarf bereits ausverkauft. Und der Fokus ist halt einfach die Aquaristik. Also konnten wir nur noch Substrat mitnehmen. Auch der Tipp, dass man mal in Baumärkten gucken könne, erwies sich als fruchtlos. Doch dann fiel meiner Frau wieder ein, dass wir bei einer Wanderung durch unsere angrenzende Halde an einer Wassergärtnerei vorbeigekommen sind: Wasserpflanzen Wolff. Ein Anruf, die bitte, unsere Situation per Mail darzulegen und die Aussage: Am Freitag können sie dann alles bei uns abholen.
Nun kann ich mich zurücklehnen und auf diesen Freitag warten. So böse bin ich in diesem Moment auch gar nicht darum. Denn ich merke meine Knochen doch ganz gut nach der gestrigen Arbeit. Aber wir sind gespannt, wie sich der Teich über den Winter setzt und wie dieses neue Habitat im kommenden Jahr angenommen wird. Bis dahin ist aber sicherlich noch einiges an Arbeit, bis das Beet, das den Teich einfassen und in Zukunft auch beschatten soll, fertig ist. Aber das ist dann ein Projekt für das nächste Frühjahr…
Dokumentation des Teichbaus