EVCC

Wir haben ja eine Sungrow Wallbox, die ich in den RCT Power Manager unserer Solaranlage und irgendwie auch in Home Assistant eingebunden habe. Doch leider klappte das ganze nur so semi. Erstmal müssen wir mit der RFID-Karte jeden Ladevorgang freigeben. Aber geschenkt, dann liegt die Karte halt auf der Wallbox, die eh geschützt vor Fremdzugriff in der Garage installiert ist. Allerdings böllerte die Wallbox immer 11 KW in das Auto - und zieht dabei aus allen erdenklichen Quellen: PV-Überschuss, aber auch Batteriespeicher und dem Netz.

Sicherlich ist dieses Schnellladen vorteilhaft, wenn man einfach das Auto voll bekommen will. Nur ist dieses Vorgehen nicht unbedingt wirtschaftlich und torpediert auch etwas unsere Energieplanung. Erstmal konnten wir damit aber leben. Auf der letzten Firmenveranstaltung habe ich dann mit einem Kollegen gesprochen, der nun auch auf ein BEV mit eigener Solaranlage wechselte und mir EVCC empfohlen hat.

Aktuell ist mal wieder lohnarbeitsfreie Zeit und ich habe ein paar freie Minuten, um mich mit dem Thema mal genauer zu beschäftigen. Also in der docker-compose.yml meines Home Assistants das offizielle Image von EVCC als Service hinzugefügt und testweise gestartet. Damit meine Wallbox auf den OCCP-Socket zugreifen kann, wird dieser Port direkt auf den Homeserver gemappt, derweil die Web-GUI (wie alle anderen Dienste) über Traefik und Pi-Hole als DNS-Server im Intranet verfügbar gemacht wird.

Und direkt der erste Eindruck ist unglaublich gut! Die Solaranlage kann ohne Probleme direkt in EVCC eingerichtet werden. Gleiches für den Batteriespeicher. Über den Wechselrichter ist auch direkt der Netzbezug verfügbar. Nur die Wallbox musste noch eingerichtet werden.

Das ist bei Sungrow ja bekanntlich etwas umständlicher. Dafür muss ich die Wallbox neustarten (also Sicherung raus und wieder rein), damit die Box den Hotspot aufbaut. Dieser ist nur 15 Minuten aktiv, also muss man schnell mit dem Wifi der Box verbinden, über die private IP im Browser verbinden und dann die Netzwerkkonfiguration mit der neuen OCCP-Adresse einrichten und dann etwas warten, ob die Konfiguration erfolgreich war, und ob sich die Box auch aktiv zum EVCC verbindet.

Nachdem die Standort-ID der Box aktiv an EVCC gemeldet wurde, kommt erstmal etwas Ernüchterung: Um nun die Wallbox als Ladepunkt vollständig zu konfigurieren, braucht man ein „Sponsoring Token“ in EVCC. Dieses kostet pro Monat €4, als Jahreslizenz €50 oder als Lifetime-Lizenz €150. Zum glück muss man nicht die Katze im Sack kaufen, sondern findet in der Dokumentation auch ein Testtoken mit dem man erstmal alles ausprobieren kann.

Mit dem Testtoken habe ich dann die Wallbox als Ladepunkt eingerichtet und bin gerade absolut begeistert, was man in EVCC alles steuern kann. Nun kann ich nämlich auch sagen, dass die Batterie bis maximal 20% SOC genutzt werden soll, dass nur geladen wird, wenn aus PV-Überschuss ein gewisser Anteil für die minimale Ladeleistung der Wallbox zur Verfügung steht oder kann beim Laden auch voreinstellen, dass ich nur einen gewissen Prozentanteil des Fahrzeugakkus überhaupt aufladen will.

Hammer, das ist genau die Art der Steuerung, die ich gesucht, aber im RCT Power Manager nicht gefunden habe! Ich mag nun gar nicht auf meine individuellen Konfigurationen eingehen, denn ich denke, jeder wird hier andere Vorlieben und Bedürfnisse haben. Und wenn die intelligente Konfiguration dazu führt, dass wir weniger Netzbezug haben, sondern die eigen erzeugte Solarenergie effektiver nutzen können, anstatt diese ins Netz einzuspielen, dann sollte sich die Lifetime-Lizenz auch ziemlich schnell amortisiert haben.