Belas zweiter Geburtstag

Heute jährt sich Belas zweiter Geburtstag. Also nicht sein zweites Lebensjahr. Und wenn man es ganz ehrlich betrachtet, ist es eigentlich auch schon sein dritter Geburtstag. Denn Bela wurde kurz nach seiner Geburt ausgesetzt. Zusammen mit seinen Geschwistern einfach in den Müll geworfen, wo sie zum Glück gefunden wurden und anschließend im Tierheim Aachen von Hand großgezogen wurden. Das war eigentlich schon sein zweiter Geburtstag.

Eigentlich sollten Bela und sein Bruder Cooper bereits im Februar / März 2023 bei uns einziehen. Doch leider bekam Bela damals noch im Tierheim eine Blasenentzündung und musste entsprechend noch länger betreut werden. Schlussendlich kamen die beiden Twins dann im April 2023 zu uns und haben seither das Leben kleiner Prinzen.

Es war der 31. Oktober 2025. Halloween. Wie jedes Jahr veranstalten The Other aus Köln an diesem Abend die „Hellnights“. Eine Konzertreihe für Horror-Punk. An diesem Abend sollten Blitzkid spielen, die wir bereits zuvor schon gesehen hatten, und gerne nochmal anschauen würden. Aber spannender waren eigentlich Calabrese aus Italien. Die Band läuft regelmäßig bei uns, doch bisher konnten wir noch kein Konzert besuchen. Entsprechend groß war die Vorfreude und wir hatten uns beide den Tag freigenommen, damit wir stressfrei zum Konzert können - der folgende Tag ist in NRW eh Feiertag zur Erholung. Für den Vormittag hatten wir noch einen Tierarzt-Termin für Kalli. Eigentlich Routine-Untersuchung und nichts besonderes. Ein wenig Gedanken mache ich mir bei dem ehemaligen Streuner ob seines Alters dennoch immer. Doch bereits morgens beim Aufstehen verhielt sich Bela sehr eigenartig. Er war zusammengekauert in einer Ecke und gab laut, wenn man ihn hochheben wollte. Meine Frau vermutete bereits eine Blasenentzündung, kannte sie ähnliches Verhalten doch bereits von anderen Katern. Als ich die Transportbox für Kalli fertigmachte, saß auf einmal Bela drin. Zwei Blicke ausgetauscht, dann das einvernehmliche Nicken: Wir nehmen Bela direkt mit zum Tierarzt.

Bei unserer Tierärztin direkt die Diagnose: Die Blase ist voll und verhärtet. Ein Röntgenbild zeigte: Der Harnweg ist verstopft. Doch leider hat unsere Tierärztin direkt gesagt: Sie könne nicht helfen. Zwar könnte sie einen Katheter legen, aber bei Komplikationen sei sie nicht ausgestattet. Wir wurden an eine Tierklinik weitervermittelt mit dem Hinweis: Es ist sehr, sehr dringend.

In der Tierklinik kurz die Anamnese und dann wurde Bela der Katheter gelegt und die Blase gespült. Erstmal durchatmen. Es ging im ziemlich dreckig, aber er hat zumindest erstmal das gröbste überstanden. Doch zur Kontrolle müsse er in die nächste Tierklinik, da unser aktueller Aufenthaltsort leider keine Nachtbesetzung hat. Also Bela zur nächsten Tierklinik gefahren, wieder Anamnese. Und die Zusicherung, dass wir Bela jeden Tag besuchen können. Doch er muss erstmal drei Tage zur Kontrolle bleiben und dann soll ihm der Katheter gezogen werden.

Nun, auf Konzert hatten wir nun erstmal keine Lust mehr. Und da wir auch niemanden für unsere Karten fanden, verfiel der Abend irgendwie. Unsere Gedanken blieben bei Bela. Und wir besuchten ihn auch jeden Tag. Das war auch wichtig für ihn, da er in der ungewohnten Situation nicht gefressen hat und eh schon ziemlich nahe an der Grenze zum Untergewicht kratzt. Wenn wir da waren, konnten wir ihn zum fressen überzeugen. Aber wichtiger waren wir, vertraute Gesichter in dieser grauenvollen Situation.

Am Tag, als Bela der Katheter gezogen wurde, sollten wir ihn eigentlich abholen. Wir warteten auf den Anruf, dass er soweit sei. Und warteten. Und warteten. Dann kam irgendwann der Anruf: Es gab Komplikationen. Der Katheter hat sich verkantet und konnte nicht gezogen werden. Einzige Option war eine Not-OP und die Entfernung seines Penisses. In der Retrospektive bekomme ich es gar nicht mehr richtig zusammen, ob wir Bela noch am gleichen oder erst am Folgetag abholen durften. Ich weiß nur noch, dass wir wirklich eine große Kiste mit Medikamenten mitbekamen und gar ein offizielles Dokument, das uns zum Transport von Opiaten berechtigt. Ach herrje.

Und ich weiß noch: Wir hatten zwischen dem Anruf und der eigentlichen Abholung einen Sonderauftrag: Wegen der OP-Naht durfte Bela weder klettern noch springen. Das ist bei uns ziemlich schwierig, stehen hier in der Wohnung eigentlich in jedem Raum große Kratzbäume. Also war der Plan: Ein Kaninchengehege besorgen und das in meinem Büro aufbauen. Alle Möbel irgendwie beiseite und eine komplette Krankenstation installiert.

Bela war sichtlich fertig mit der Welt. Er wusste nicht, wie ihm geschah. Aber er war glücklich, dass wir ihn abholten. Und die ersten zwei Tage konnten wir quasi gar nicht den Raum verlassen, sofort rief er nach uns. Sobald wir da waren, mussten wir ihn kraulen und er schnurrte unablässig.

Nun folgte die Pflege. Meine Frau schlief für drei Wochen im Arbeitszimmer. Die ersten Tage mit Bela gemeinsam im Kaninchenkäfig, später auf der Couch. Tagsüber war ich eh in dem Raum und kümmerte mich - oftmals parallel zu Meetings - um die Bedürfnisse des Katers. In der speziellen Konstellation durften wir kein Katzenstreu verwenden, denn das könnte die Wunde verschmutzen. Also nutzten wir Inkontinenzunterlagen, die wir passend für die Toilette zurecht schnitten. Und weil der kleine Tollpatsch mit der Halskrause nur schwerlich fressen und trinken konnte, nahmen wir den Halsschild unter Beobachtung ab, erlaubten ihm auch ein wenig Körperhygiene. Immer darauf achtend, dass er nicht an den Wunden leckt.

Für den Anfang haben wir Bela Junk-Food gekauft. Sheba, Whiskas und Konsorten. Übles Katzenfutter mit Zucker und anderen Zuchtmitteln. Hauptsache er frisst und bekommt wieder Energie. Das klappte auch die ersten Tage recht gut. Doch irgendwann fraß er wieder schlechter. Meine Frau kam dann auf die Idee: Probieren wir doch unser normales Futter. Und siehe da: Bela fraß gut und viel. Scheinbar waren drei Tage Junk-Food mehr als genug.

In der ersten Woche gab es regelmäßig Nachuntersuchungen durch unserer Tierärztin. Nach drei Wochen wurden die Fäden gezogen. Soweit sieht alles gut aus. Der Halsschild durfte abgenommen werden. Aber Springen und Klettern ist für eine weitere Woche verboten. Mittlerweile war Bela etwas ungehalten über seine Käfighaltung. Aber das ist ein gutes Zeichen, dass es ihm mittlerweile wieder besser geht. Die Opiate sind schon lange abgesetzt und er darf gelegentlich Besuch von seinem Bruder haben. Die nächste Untersuchung: Alles perfekt verheilt, er macht einen sehr guten Eindruck.

Und wo Bela zuvor schon die Kastration nicht abgehalten hat, stellt scheinbar auch nun die Penisamputation kein Problem dar, mit seinem Freundtier, einer Stoffkatze in passenden Größenproportionen, immer wieder ausgiebig Spaß zu haben. Der kleine Schawiner!

Abermals ist Bela also dem Tod von der Schippe gesprungen. Seither lebt er wieder glücklich und zufrieden sein Leben als feline Diva. Gefühlt ist er seitdem ein wenig neurotischer als zuvor, etwas ängstlicher und unruhiger. Und er hat sich nie wieder an seine alten Katzentoiletten gewöhnt. Wo wir eigentlich auf Ikea Samla-Boxen als Katzentoiletten schwören, hat er nun ein reguläres Katzenklo, jedoch ohne Deckel, das er ausschließlich benutzt. Sechs Klos im Haus, und nur dieses eine.

Und gelegentlich kommt es vor, dass er seinen Harndrang nicht zu 100% kontrollieren kann. Dann passiert auch schon mal ein kleines Unglück. Doch das ist egal. Denn wir haben noch unseren Bela und erfreuen uns jeden Tag an seinen kleinen Marotten. Und das hoffentlich noch sehr, sehr lange.