Verpatzte Berufsausbildung
Wir schauen gerade „Death Inc.“ auf Netflix. Quasi Stromberg / The Office, nur aus Spanien und mit einem Bestattungsunternehmen anstelle eines Versicherungsbüros. Dennoch ganz nett und mit etwas weniger Fremdschämmoment. Wie dem auch sei, irgendwann stupst mich meine Frau an und meint: „Das könntest auch Du sein, aber du hast es ja vermasselt…“
Ich nur: „Wie? Dass ich kein Bestatter geworden bin, hatte ja damals andere Gründe…“ Sie dann trocken: „Ja, aber die andere Sache… Das ist doch alles das gleiche!“
Damit erinnerte sie mich wieder an eine Geschichte, die ich noch nie öffentlich geteilt habe. Warum nicht also doch mal aus dem Nähkästchen des frühen Internets erzählen? Und eigentlich hat die Geschichte zwei Akte, die unabhängig voneinander liefen und dann halt in einem dramatischen Höhepunkt ihre Auflösung bekommen. Wie so eine Dr. Who-Geschichte…
Im Endeffekt war es um 2004 herum. Ich hatte mein Abitur gerade in der Tasche und machte meinen Zivildienst. Damals war noch alles etwas wilder in diesem Internet und man hatte Nicknames wie Hasimausi91 im Lycos-Chat. Email existierte zu diesem Zeitpunkt bereits ein paar Wochen, aber so wirklich im Alltag war diese noch nicht angekommen. Die meisten Bewerbungen zu Arbeits- und Ausbildungsplatz wurden noch klassisch in einer Mappe per Post verschickt. Es war eine vermeintlich einfachere Zeit, so in verklärter Nostalgie betrachtet.
Kurz zuvor wurden Studiengebühren eingeführt und ein Numerus Clausus hat mir mein eigentliches Berufsziel gänzlich verbaut; ein Einstieg in die Pathologie erschien unmöglich. Eine Krankenschwester in meinem Zivi vernahm meine Enttäuschung und hatte einen sehr pragmatischen Vorschlag: Im Nachbar-Ort ist ein Pathologe, der bietet auch eine Ausbildung zum Pathologisch Technischen Assistenten an. Da könne ich auch ohne NC und Studiengebühren in das Fachgebiet einsteigen. Schnell hatte sie das lokale Telefonbuch in der Hand und mir die Nummer rausgesucht: „Ruf doch einfach mal an!“
Gesagt, getan, die Nummer gewählt und mein Anliegen vorgetragen. Die Dame an der Gegenseite war freundlich und entgegenkommend: „Ja, wir suchen noch einen Azubi. Das klingt alles gut. Geben sie mir mal ihre Email-Adresse, wir schicken ihnen eine Nachricht mit der Bitte um Lebenslauf und Bewerbung.“ - „Klar, meine Email ist…“
*Please insert record scratch noise*
Und da kommen nun die beiden Stränge irgendwie zusammen. Im dramatischen - und irgendwie zynischen Höhepunkt. Wie gesagt, Email war damals nicht so verbreitet. Phantasienamen in diesem Internet total gängig. Und da ich seinerzeit schon mein Musikmagazin hatte, hatte ich auch nur die eine Mailadresse, für eben dieses Magazin….
„Klar, meine Email ist necroslaughter at…“ und da ist es mir dann selber aufgefallen. „Ah, verstehe“, so die Stimme am Telefon, mit merklichen Unterton in der Stimme… „Wir melden uns bei Ihnen.“ Gespräch beendet und besagte Mail ist immer noch ausstehend.
Und so, liebe Kinder, habe ich meinen Einstieg in die Pathologie vermasselt. Wurde ich halt Informatiker. Und habe seither auch immer eine seriöse Mailadresse in der Hinterhand.