Nachdenken und differenzieren oder einfach nur laut sein

Eigentlich ist es ein eher persönlicher Text, den Horst Schulte da veröffentlicht hat. „Warum ich immer noch blogge- obwohl immer weniger mitlesen?“. Quasi ein typischer Meta-Artikel von einem Blogger über das Bloggen. Doch er beschreibt auch ein paar sehr gute Punkte:

Im Netz kommen diejenigen oft besser zurecht, die ziemlich genau wissen, was Sache ist. Jedenfalls erwecken sie diesen Eindruck. Klare Schuldige, klare Lösungen, klare Haltung. Zack, fertig.
[…]
Diejenigen, die sich kräftig in Rage schreiben oder reden, bringen ihre Inhalte offenbar leichter an die Frau und an den Mann. Zuspitzung funktioniert. Empörung funktioniert.

Also: Lauter, einfacher Content gewinnt. Populismus und undifferenzierte Aussagen. Empörung!!!!

Weiterhin beschreibt er aber auch seinen eigenen Prozess, ein natürliches Denken im Schreiben und der Verarbeitung von Dingen:

Schreiben zwingt mich dazu, Gedanken zu sortieren, die sonst ziemlich ungeordnet im Kopf herumfliegen würden. Manchmal hilft es sogar dabei, das eigene Mütchen zu kühlen. Etwas, über das ich mich morgens noch fürchterlich aufgeregt habe, sieht nach tausend geschriebenen Wörtern gelegentlich schon ein bisschen weniger dramatisch aus. Nicht immer. Aber gelegentlich.
[…]
Man schreibt, weil das Aufschreiben selbst etwas mit einem macht. Aus diffusem Ärger wird ein Gedanke, aus einem Gedanken vielleicht ein Argument und manchmal aus einem Argument sogar die Erkenntnis, dass man vorher ein bisschen zu schnell unterwegs war.

Und da mangelt es heute leider vielen Leuten - dank der oftmals niedrigen Schwelle, etwas in dieses Internet zu kotzen: Innehalten, reflektieren, vielleicht mal aus binären Betrachtungsweisen ausbrechen und die Dinge aus anderen Blickwinkeln betrachten. An dieser Stelle erscheinen mir LLM manchmal durchaus differenzierter als manch menschlicher Buchstabenerbrecher.