Terminal Multiplexer in 2026
Ich mag ja Terminal Multiplexer. Das ist sowas, wie ein Window-Manager, aber im Terminal. Man öffnet ein Terminal Fenster im Betriebssystem, und innerhalb dieser Terminal Session erstellt dann der Multiplexer weitere Sessions. Das ist besonders praktisch, wenn man auf einem entfernten Server unterwegs ist: Man kann innerhalb einer SSH-Verbindung mehrere Terminal Sessions erstellen, und muss sich nicht ein weiteres mal zum Server verbinden. Und es entkoppelt die Terminal Session von der Verbindung. Man kann im Multiplexer einen Prozess starten und sich dann aus der Session entkoppeln, diese läuft im Hintergrund einfach weiter, und der Prozess wird nicht beendet. Auf meinem Heimserver läuft immer eine Multiplexer Session mit mehreren Fenstern: File-Manager, Log-Übersicht, verschiedene Terminals in verschiedenen Verzeichnissen. Jedes mal, wenn ich mich auf den Server verbinde, kann ich direkt weiterarbeiten, weil alles wichtige direkt noch offen und zugänglich ist, ohne, dass ich erstmal wieder alles starten muss.
Aber nicht nur auf dem Server, sondern auch lokal machen Multiplexer Sinn und Spaß. Wenn man einmal die Keybindings des jeweiligen Multiplexers drauf hat, kann man mit einem Terminal-Fenster ziemlich effektiv arbeiten und verliert sich nicht in zig Fenstern im Betriebssystem.
Früher war die Auswahl an Multiplexern ziemlich simpel: screen und tmux. Beides auch heute noch gute und sinnvolle Möglichkeiten, gerade wenn man auf älteren Servern oder welchen mit eher konservativen Repositories unterwegs ist, und keine Alternativen hat. Heute hat man jedoch auch etwas komfortablere Möglichkeiten…
Byobu
Ich nutze bisher byobu auf meinem Heimserver. Dabei ist das nicht mal ein eigenständiger Terminal Multiplexer, sondern „nur“ ein Wrapper um screen oder tmux - das kann man sich aussuchen. Dabei bring byobu schlicht etwas mehr Komfort und Voreinstellungen mit. Beispielsweise muss für die Navigation zwischen Fenstern nicht erst ein „Leader“ eingegeben werden (Beispielsweise STRG+A für screen oder STRG+B für tmux), sondern man kann mit beispielsweise ALT+J direkt zum nächsten Fenster navigieren. Auch bekommt man direkt eine sinnvolle Statusbar mit einer Übersicht der offenen Fenster, verfügbaren OS-Updates, Uptime, CPU/RAM/Disk-Auslastung und einer Uhr. Finde ich sehr nett.
Zellij
Zellij ist eine moderne Alternative zu tmux. Auch wenn man nicht von Haus aus eine nette Statusbar mit relevanten Informationen zum Host bekommt, ist Usability die größte Stärke dieses Multiplexers: Man sieht immer und überall die verfügbaren Keybindings und möglichen weiteren Aktionen zur Navigation. Ohne große Konfiguration kann man also direkt loslegen und findet sich in Zellij zurecht; das Muskelgedächtnis kommt dann mit der Zeit.
Herdr
In Zeiten von AI Coding Agenten haben sich viele Tools rund um die Nutzung von eben diesen Entwickelt. Angefangen von IDEs und Editoren, die eingebauten Zugriff auf Agenten haben hin zu Herdr als Terminal Multiplexer, in dem Coding Agents als First Class Citizen leben. Darum ist die sehr moderne UI auch direkt in drei Bereiche aufgeteilt: Hauptfenster, Übersicht der Workspaces (Terminal Sessions) und eben Agenten.
Im Vergleich zu zellij, byobu oder den Klassikern screen/tmux wirkt die UI von herdr erstmal etwas überladen. Wo andere Multiplexer eben die Terminal Session als Hauptfokus sehen, wirkt die Oberfläche in der dreigeteilten Ansicht etwas überladen - erlaubt dem Einsteiger in Multiplexer aber vielleicht auch etwas mehr Übersicht. Ob man das Agenten-Feature nun unbedingt braucht, hängt auch vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Praktisch ist es jedoch allemale, dass man einfach was anderes im Terminal machen kann, und dennoch immer im Blick hat, ob ein Agent gerade läuft, auf Rückmeldungen wartet oder mit der übertragenen Aufgabe beschäftigt ist.
Gleichsam ist für den Einsteiger ein spannendes Feature: Bei herdr (und dem entsprechenden Terminal Emulator) funktionieren Mauseingaben, beispielsweise Klicks auf Menüpunkte oder Resizing mittels Drag’n Drop.
Mein persönliches Fazit
Auch wenn ich persönlich wohl weiterhin byobu nutzen werde, und auf dem ein oder anderen Server lediglich screen (und mit Glück tmux) zur Verfügung habe, habe ich mir sowohl zellij wie auch herdr mal auf meine Workstations installiert und werde hier und dort mal damit experimentieren. Prinzipiell finde ich es aber gut, hier einen Überblick über die zeitgenössischen Möglichkeiten zu haben.