D.I.Y. or Die!
Eigentlich hatte ich diesen Beitrag vor ein paar Tagen als No-Mention für all die Leute geschrieben, die sich über den Ausfall von Codeberg beschwert hatten - an dieser Stelle auch Leseempfehlung an den Beitrag von Sven Slootweg zu dem Thema.
Und dann kommt Piehnat um die Ecke und macht einfach mal. Guter Mann!
D.I.Y. - Do It Yourself. Eine Attitüde, die mich mein Leben lang begleitet hat. Zugegeben: Nicht immer freiwillig. Begonnen hat alles in eher mangelnden finanziellen Möglichkeiten. Als Schüler hat man dann selber geschaut, wie man das Fahrrad repariert bekommt, warum der Kassettenspieler die Tapes nur noch leiernd abspielt oder Flugblätter für das Konzert der ersten eigenen Punkband selber von Hand gezeichnet und über das Kopiergerät des lokalen Karstadts vervielfältigt.
Wo die D.I.Y.-Projekte mit den Jahren größer wurden, blieben die finanziellen Mittel leider auf ähnlichem Niveau. So lernte man dann Streichen und Tapeten ankleben. Oder wie man eine Küche aufbaut und alle Gerätschaften selber anschließt - außer den Ofen, vor dem Ding habe ich auch heute noch Respekt.
Irgendwann hatte man dann doch mal etwas mehr Spielraum in den Finanzen. Und man hat dann doch das ein oder andere aus der Hand gegeben. So hat ein fertiges NAS-System irgendwann einen Haufen Kabel, externer Festplatten und ein altes Netbook ersetzt. Und auf ähnlichem Wege kamen auf einmal Cloud-Dienste wie Dropbox oder Google Drive in das persönliche Arsenal. Es war einfach, es war bequem. Und die Ersparnis in Zeit und Ärger war ja schon irgendwie den Aufpreis wert…
Ja, irgendwie wurde ich zwischenzeitlich schon irgendwie faul. Und wie immer: Irgendwann wird man dann doch auch wieder derbe in die Realität zurückgeholt. Ich glaube, die größte Klatsche bekam ich kurz nachdem wir uns das gebrauchte Haus gekauft hatten. Der Doppelstegmattenzaun am hinteren Grundstück hatte einen Pfosten lose. Zugegeben, zu dieser Phase waren die Frau und ich wieder tief im D.I.Y.-Game: Die komplette Renovierung vor Einzug haben wir in Eigenleistung erbracht. Hier und Dort ein wenig Hilfe von Freunden, aber das Heavy Lifting oblag uns. Aus diesem Grunde hatte ich wohl auch schlicht nicht den Kopf, mich noch mit dem Zaun zu beschäftigen und rief einfach den Erbauer eben dessen an. Ein Mitarbeiter kommt raus, spritzt etwas Montagekleber in eine Bohrung, wemmst eine neue Schraube dazu und ist fertig. 30 Minuten Arbeit - und eine Rechnung von 700 Euro. Bitte was?!?! Es war Lehrgeld und auf jeden Fall ein kleiner Weckruf. Seither recherchieren wir vor jedem Projekt ob der durchzuführenden Tätigkeiten und evaluieren: Trauen wir uns das zu? Oder sind wir bereit die eventuellen Kosten zu tragen?
Seither haben wir eine ganze Menge gelernt. Vieles in der Vorbereitung - und noch mehr in der eigentlichen Durchführung. Natürlich immer mit kleinen Mängeln und Fehlern. Aber: Aus Fehlern lernt man. Bei einigen Dingen sind wir mittlerweile schon etwas fitter. Bei anderen sind unsere Ansprüche vielleicht auch etwas realistischer geworden. Und unser Mindset hat sich geändert, bei vielen, zuvor als mühselig erachteten Aufgaben haben wir nun Spaß. Oder erfreuen uns am Ende zumindest am Ergebnis; sind vielleicht auch ein wenig Stolz darauf, dass wir Büromenschen mit unseren Händen etwas erschaffen haben.
Und dann schaue ich wieder auf mein frühes Outsourcing mit dem fertigen NAS und den Cloud-Diensten. Synology, der Hersteller meines NAS hat schon offiziell den Support des Gerätes für Updates abgekündigt. Obschon die Hardware noch fehlerfrei funktioniert. Und die geopolitische Situation um Big-Tech und Cloud-Anbieter macht mir auch ein wenig mulmig. Auch hier ist die simple Konsequenz: Do It Yourself! Selfhosting, Homelab, Upcycling von alter Hardware. Vielleicht noch nicht mal für sich ganz alleine, vielleicht auch für Familie und Freundeskreis. Damit nicht alle das Heavy Liftung machen müssen.
Natürlich werden auch hierbei Fehler passieren - Backups sind wichtig! Und es wird viel Zeit vergehen und Frust passieren. Aber am Ende hat man was gelernt und etwas selber gemacht. Und ist dazu ein wenig unabhängiger von Anderen.
PS: Dass aus abgerauchten Festplatten und verlorenen Backups auch ein kreativer Lern- und Weiterentwicklungsprozess angestoßen werden kann, zeigt u.a. auch janmontag.de.